Grenzenloses Leben

Sie sitzt zusammengekauert am Boden. Die Beine angezogen, die Arme festumschlungen um ihre Knie. Den Kopf traurig gesenkt. Ihr Gesicht kann man nicht sehen. Tief verneigt sie ihren Kopf in den Schoß.

Auf dem Boden sitzt sie. Kalt ist er. Lustig ist es hier nicht, der Raum ist hermetisch abgeriegelt. Keine Fenster, keine Türen. Kontrollierend. Keine Möglichkeit für eintretendes Licht. Und dennoch ist der Raum hell. Weiße Wände … rechts, links, vorne, hinten, oben. An der hinteren … da kauert sie. Es ist still im Raum und die Wände sind dick, sehr dick, immerhin sind sind sie hell. Weiß sind sie, schneeweiß.

Jemand betritt den Raum. Wie oder wo er herein kam, spielt keine Rolle. Er ist gößer, als das zusammengekauerte Mädchen. Er ist keck, aber vorsichtig. Liebevoll blickt er die Kleine an und spricht nicht. Jedenfalls keine hörbaren Worte. Er berührt nicht, sondern schaut nur vorsichtig. Leicht schräg ist sein Kopf, liebevoll lächelnd. Seine Körpersprache lädt ein: „Komm!“.  Sein Lächeln fordert behutsam auf. Eine Augenbraue geht leicht nach oben und fragt still: „Na?“. Seine Hände öffnen sich einladend, nicht fordernd. Ganz sanft, kaum wahrnehmbar und dennoch voller Kraft und Möglichkeit …

… und die Kleine? …

… vorsichtig und unsicher hebt sich der Kopf. Die Frage stellt sich nicht, wer oder was bist du. Schnell ist Zuneigung da. Langsam erhebt sie sich vom Boden. Sie geht auf den Großen zu. Sie greift die einladenen Hände. Sie fangen an zu tanzen, ganz langsam. Und es dauert nicht lange und sie machen richtig Quatsch. Es bringt Spaß. Sie toben und sie tollen und sie lachen. Herzergreifendes Lachen.

Die Wände, sie werden dünner. Mit jedem Tanz immer dünner. Und noch dünner. Sie werden zu Glas, durchscheinendes Glas. Von draußen kommt Sonnenlicht herein. Sichtbar wird eine Blumenwiese. Es bringt Spaß. Sie toben und sie tollen und sie lachen. Herzergreifendes Lachen. Und die Glaswände erheben sich in die Lüfte, bis sie sich ganz auflösen.

Sie tanzen auf einer Wiese. Eine Sommerwiese. Blaue Kornblumen. Rote Mohnblumen. Weiße Margariten. Keine Begrenzung. Am Horizont kein Wald, kein Knick, kein Zaun. Endlose Wiese. Weites Land. Und ein weißer Schmetterling gesellt sich zu ihnen. Er tanzt mit ihnen. Es bringt Spaß. Sie toben und sie tollen und sie lachen. Herzergreifendes Lachen.

Über ihnen ziehen gewaltige Wolken zusammen. Sie wirken … ein wenig bedrohlich. Irgendwie sind sie es aber nicht.  Nein, bedrohlich sind sie nicht. Sie sind erhaben. Sie sind mächtig. Sie sind kräftig. Voller Erstaunen. Erfürchtig erstummt das Tanzen. Erwürchtig geht der Blick nach oben. Erfürchtig steht der Schmetterling still.

Zurück bleibt ein Staunen. Ein fragendes Stauen. Ein stilles Staunen. Ein dankbares Staunen  … begreifen kann man es nicht und dennoch ist es … tief verwurzelt herzergreifend.

Jesus sagt: Der Dieb kommt, um zu stehlen … Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss.

Hiob sagt: Ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen.

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