Der andere Advent

Ein sehr schönes Geschenk von meiner weltbesten Freundin: ein Adventskalender für das winterliche Herz … schöne Momente, liebevolle Ideen, Schmunzelecken … jeden Tag was neues, bis hin zum 6. Januar … und zwischendurch sehr nachdenkliche Momente. Einen bringe ich dir heute:

Stell dir vor, du siehst eine Handschrift. Kein Text vom Computer geschrieben. Weder die Schriftart, noch Schriftgröße oder Farbe wurde technisch manipuliert. Es ist eine ganz einzigartige Handschrift hinter der ein genauso einzigartiger Mensch steht. Vielleicht ist diese Handschrift nicht direkt von dem Menschen, sondern wurde wirklich von der Redaktion mit dem Computer in Szene gesetzt. Das spielt für mich aber gerade keine Rolle. Ich sehe die Individualität. Der Text ist von einem Soldaten in Afghanistan.

Stell dir vor du siehst ein Foto über dem Text. Kleine beige und braune Quadrate liegen auf einem roten Hintergrund. Es sind kleine Tafeln aus Stoff. Fast schön anzusehen wie ein Makramee. In unserer westlichen wohl behüteten Welt, trotz verzweifelter Politik, gleicht dieses Bild auch wie aneinandergereihte Dominosteine. Doch das ganze Makramee rüttelt mich in meiner „heilen“ Welt auf. Die Buchstaben sind Blutgruppen. Die Quadrate sind Aufnäher. Sie werden im Feldlager der Bundeswehr auf einem afghanischen Markt angeboten.

Mehrmals lese ich die Notiz von dem Soldaten. Zum Einen, weil ich nicht sofort jeden Buchstaben aus seiner Handschrift erkenne. Zum Anderen, weil das Foto immer tiefer in mir arbeitet und mit jedem meditativen Lesen sich etwas anderes in mir bewegt. Ein anderer Advent.

Wie nahe uns das Gute und Böse geht, das uns begegnet, hängt nicht von dessen Ausmaß ab, sondern von unserer Empfindsamkeit.

Ein Dank an die Redaktion „Andere Zeiten“ via Mail. | Ein Link zur Empfehlung: Selbsthilfegruppe Eisblume

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