Schweigen, offline oder doch eine Art Komplentation?

Eine kleine Geschichte, die ich heute hörte, möchte ich eingangs zitieren: Nach einer tollen und bewegten Jungscharfreizeit wollte man in dem darauf folgenden Gottesdienst besonders fromm sein, zitierte die Kinder nach vorne und ein kleines Interview folgte.  Auf  die Frage „… und? Was hast du mit Jesus erlebt?“ sagte ein Junge schlicht und ehrlich: „nichts …“.

Eine Sache zum Schmunzeln, doch Hand auf’s Herz. Oft ist uns doch nicht zum schmunzeln, wenn wir Gott einfach nicht hören und dann sogar glaubenskrisenmäßig daran verzweifeln.

Mir geht es da nicht anders und so kommt hier doch noch ein Jahresrückblick aus 2009 von mir, in dem ich unfreiwillig Bekanntschaft mit dem schweigenden Gott gemacht habe. Nun, ich wäre natürlich mächtig stolz, ich könnte hier behaupten, nur 2009 hätte mein himmlischer Vater geschwiegen und in den anderen 44 Lebensjahren nicht …

… ich denke, du weißt, wie ich es meine: sich mal bewusst machen, ob und wie und warum Gott schweigt, dass passiert dann doch nicht alle Tage. Dabei sollte doch Anfang 2009 alles so toll beginnen: aus dem Geist heraus leben, Eigenregie loslassen, dem Schrei der Wildgänse folgen, mit Mut im Gepäck und sogar tollen Zusprüchen: so ist es richtig.

Der Anfang ging auch richtig gut ab, Gott sprach, Jesus sprach, der Heilige Geist sprach … und dann der Einbruch. Allerdings fabrizierte ich den selber. Dennoch: sich mit dem schweigendem Gott zu beschäftigen begann nach diesem Einbruch und nichts ging mehr in Sachen „aus dem Geist heraus“. Und das war nicht immer lustig und erst Recht nicht so entspannt, wie jetzt dieser Schreibstil es meinen lässt.

Wo kommt nun also diese Entspannung her? Weil ich mit der Zeit erfahren habe, es gibt ihn nicht, den schweigenden Gott. Selbst in dieser tonlosen Zeit redet er in einer immensen Tiefe zu mir. Macht mich auf Verhaltensmuster oder Sünden aufmerksam, mit der ich mich befassen muss und ich gewinne Einsichten und entdecke eine Tiefe meiner Gottesbeziehung, die sich nicht beschreiben lässt. Ich habe nicht viel Erfahrung mit Komplentation, aber so ähnlich stelle ich sie mir vor.

So gab es etliche Blogberichte im Herzen, die aber nicht mit meinen Worten ausdrücken konnten, wie es wirklich für mich war. Mit ein Grund, warum es ein wenig schweigsam auf sabina online 2009 zuging und gute Freunde vielleicht auch spürten, dass dieser Blog „etwas“ anders war, als sie ihn kannten.

Nun kommen wir aber zur eigentlichen Motivation dieses Posts: eine Rezension.

Am Ende des Jahres, mittlerweile selber reich an Erfahrungen mit dem schweigenden Gott, las ich nun auf meiner „Pilgereise“ (der alljährlichen Ausszeit und Fastenzeit auf meiner Trainingsinsel) ein Buch, dass hier ein Jahr im Regal stand und dessen Titel eben bezeichnend für dieses Jahr war. Hat man doch reichlich Bücher im Regal, deren Buchrücken den geistlichen Zustand des Lesers verraten:

Offline. Warum antwortest du nicht Gott?          von Pete Greig.

Mir hat der Schreibstil von Pete sehr gefallen. Kleines Zitat von ihm zu den Jüngern die erfolglos Dämonen austrieben: Tja, dumm gelaufen für einen Jünger.

Auch hat mir die menschliche Einfachheit von Pete gefallen, der erfolgreich Gebetstreffen organisierte und leitete, die pausenlos von Erfolg gekrönt waren, weil Gott all diese Gebete beantwortet, um dann niederschmetternd zu erleben, dass genau dieser Gott schwieg, als seine Frau einen Hirntumor bekam. Pete war mir sympatisch, wenn er sagt, es zog ihn in dieser Zeit eher zu Mc Donalds und zu seiner Lieblingssünde, als zum Wort Gottes.

Zwischendurch erfährt der Leser nicht, wie es seiner Frau ergeht. Die persönliche Ebene verlässt er für einige Seiten, um den große Bogen z. B.  zu Auschwitz zu spannen. Gott wo warst du, als Auschwitz passierte? Pete ist ein belesener Mann und zitiert daraufhin viele Menschen, viele Geschichten und kommt zwischendurch zu seiner eigenen zurück.

Den roten Faden jedoch verfolgt Pete an einer ganz besonderen realen Tatsache: der Ostergeschichte. (Zitat) Er nimmt den Leser hinein in den Gründonnerstag, an dem Jesus den Vater bittet, ihm das Leiden zu ersparen. Er betrachtet den Karfreitag, an dem Jesus durchbohrt am Kreuz hängt und langsam erstickt eine markerschütternde Frage schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Pete gibt dem Karsamstag eine Bedeutung, von dem wenig in der Bibel die Rede ist, wir aber ahnen, dass alle Hoffnungen und Gebete aller Jünger und Jüngerinnen zerschmettert im Grab liegen. Gott unternimmt nichts, kein Laut, außer dem Summen der Fliegen um den Leichnam des Sohnes. Mit aller Gewalt endet dann das Buch mit dem Ostersonntag. Dieses eine endgültige Wunder, versichert uns, dass jeder begrabene Traum und jede zerstörte Hoffnung letztendlich aufgesogen und in einer anderen Wirklichkeit wieder erweckt werden, die viel größer ist als alles, das wir uns zu diesem Zeitpunkt vorstellen können.(Zitatende)

Ich nenne ihn  hier in diesem Post Pete, denn Herr Greig ist mir sehr nahe gekommen: er versteht mich, ich verstand ihn und eigentlich versteht uns Gott noch viel besser. So ist jede einzelne Seite in diesem Buch „online – Hörst du mich denn nicht, wie ich rede?“ und mein persönliches Gethsemane wird tatsächlich ein Joch, das federleicht ist. Tja … und dann ruft man schon mal die weltbeste Freundin an und erzählt ihr, dass ihre von mir argwöhnisch betrachtete und nicht beantwortete Mail mit den weisen Worten eines Perspektivwechsels (waren das nicht mal meine eigenen Worte? 😉 ), tatsächlich die Perspektive gewechselt hat. … Woher wusste sie das? 😉

Lass dich auf das Spannungsfeld des schweigenden Gottes ein und erlebe aus dem Geist heraus seine wohltuende Entspannung und erlebe deinen persönlichen Auferstehungssonntag. Zu Not auch mehrmals. Vielleicht eine schöne Sache über Ostern, zum Jahr der Stille, dieses Buch zu lesen.

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4 Gedanken zu “Schweigen, offline oder doch eine Art Komplentation?

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