Es muss nicht immer der Tintenkiller sein

Prolog:

Ist es doch nun schon ein Weile her, dass ich den letzten Beitrag zum Thema „Berufung“ schrieb. Ich musste selber erstmal stöbern? Wie weit sind wir in Sachen Erkenntnis voran geschritten? Ah … hier ist Lektion 1 (Beruf gleich Berufung?) und da die 2 (Gottes Berufung, mein Sein), gefolgt von 3 (Unspektakuläre Berufung), bis hin zu 4 (Begabung und Unbegabung) und 5 (Berufung im klitzekleinen Alltag).

Da gibt es also meinen Beruf, der eine Berufung sein kann, weil ich schlicht in Christus eine neue Kreatur bin und durch mein ganzes „Sein“ ein Handeln an den Tag lege (Wesen, Art, Reaktion, Meinung, Atmosphäre, Taten), der eben so anders ist, als allgemein üblich. Somit ist  klar, ich muss keinen geistlichen Posten haben, um von „meiner Berufung“ zu reden. Auch – oder gerade – in einem „weltlichen“  Job gibt es für mich also  auch eine Berufung. Denn die „weltliche“ Sabina und die „geistliche“ Sabina sind nun mal ein und dieselbe Person. Sonst wäre ich ja auch nur am Sonntag Christ und zwischen Montag und Samstag ein Sünder.

Halten wir ferner fest: Berufung kann so ganz unspektakulär ablaufen und es darf auch sein, dass man völlig unbegabt ist. Dennoch nimmt mich Gott, mein himmlischer Vater ernst, sieht mich als Papa mit liebevollen und gnadenvollen Augen so ganz anders, als mir der Zweifel suggeriert. Auch sieht er meine Sorgen, meine Unsicherheit, meine Verletzbarkeit, meine sensiblen Momente, mein Fallen … dennoch bin ich berufen, denn Gott bezieht MICH in SEIN Handeln ein, auch mit allen unschönen Seiten. Er möchte durch mich auf dieser Erde handeln. Meine Kraft, Kreativität und Begabung möchte er zum Bau an seinem Reich einsetzen … Wow. Wie schön und verantwortungsvoll zu gleich.

Eigentlich auch klar … die Bibel und die Bergpredigt sind voll von guten Ratschlägen, eben ein Beziehungsbuch in Sachen jesusmäßiges Qualitätsmanagement. Soweit die Theorie und die Theologie.

Einleitung:

Gedankensprung: ich genieße das Vertrauen eines Freundes. Die Vergangenheit hat ihn geprägt, wie wir alle von unserer Vergangenheit geprägt sind. Man gesteht sich einiges ein, doch man meidet gerne das Thema. Tiefer graben verboten. Schnell steht auf der Tagesordnung „… lass uns über was anderes reden“. Auslöschen, nicht daran denken, sich ablenken, keine Vergebung und Freiheit in Jesu erleben, einfach nur löschen im Gehirn und dieses Ding möglichst nicht mehr angucken. Kennst du das?

Der Tintenkiller … ein attraktiver Stift. Vielleicht sogar der Lieblingstintenkiller in deiner Lebensfedertasche. Doch Tintenkiller haben etwas an sich: nach einer Weile kommen die falschen Antworten auf dem Blatt Papier des Lebens wieder hervor. Jedenfalls war das bei meinem Tintenkiller in den 80ziger Jahren so. Doch selbst wenn der Tintenkiller eine Revolution erlebt haben sollte, es bleibt die Wahrheit: deine Vergangenheit ist nicht zu leugnen.

Und was immer nun auf diesem Blatt Papier hervor kommt … erstens kann es wahre, immer und ewige Heilung erfahren und zweitens … genau diese Geschichte meiner oder deiner Herkunft hat etwas mit meiner oder deiner persönlichen Berufung zu tun.

Echt? Hm? … dann buddeln wir doch mal, verlassen wir die Grundlagen und werden persönlich … Du wirst hier aber keinen vorgefertigten und DIN-genormten Weg finden. Aber du wirst feststellen, dass es wichtig ist, die eigenen Hintergründe zu erkennen, um der eigenen Berufung auf die Spur zu kommen.

Unsere Herkunft:

Gaben und Fähigkeiten zu besitzen, sind fest angesiedelt in unserem Leben. Doch Gott ist  in erster Linie an meiner Person interessiert.  Nicht  in erster Linie an dem, was ich kann und wie ich es kann, sondern wer ich bin und wie ich bin und warum ich so bin. Spürst du den feinen Unterschied? Genau diese Persönlichkeit von mir und die dann damit verbundenen Fähigkeiten von mir (nicht umgekehrt), haben bei Gott eine Bedeutung.
Wenn ich die Berufung Gottes für mein Leben annehme, werde ich nicht zu einem willenlosen, leidenschaftslosen Werkzeug Gottes ohne Charakter, das nur dazu da ist, einen Auftrag zu erfüllen. Du bist einzigartig und einmalig. Ich bin einzigartig und einmalig.

Niemals gab es jemanden und niemals wird es jemanden wieder geben, der diese einmalige Kombination aus Gaben, Talenten, Fähigkeiten und seiner Geschichte mit sich bringt, wie ich es tue. Ich bin und bleibe einzigartig – und damit unendlich wertvoll. Und niemand sonst kann den Platz ausfüllen, den ich mit meinem Gabenprofil ausfüllen kann.

Ein wichtiger und grundlegender Weg, unserer Berufung auf die Spur zu kommen ist unsere Vergangenheit. Die Frage ist also: Woher komme ich? Was sind meine Wurzeln? Und wie haben mich diese Hintergründe geprägt? Diese Hintergründe sind schon aus ganz pragmatischen Überlegungen heraus wichtig. Denn niemand lebt ohne Geschichte und ohne Beziehungen zu seiner Vergangenheit. Man tritt immer – ob bewusst oder unbewusst – das Erbe der Eltern, Großeltern und anderer Menschen an.

Und die frohe Botschaft heißt:

Und Gott sind diese Hintergründe nicht egal. Vielmehr hat seine Berufung mitunter direkt etwas damit zu tun.

Unsere Berufung fängt schon im Mutterleib, vor unsere Geburt an. So gab es schon für Samuel eine Berufung, für Jesus und für Johannes dem Täufer, vor deren Geburt. Mein Lieblingsvers steht in Psalm 139 und es lohnt sich, den ganzen Psalm zu lesen (auch Windhauch wird da noch ankomme 😉 ):

Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen. Als ich gerade erst entstand, hast du mich schon gesehen. Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben – noch bevor einer von ihnen begann!

Insbesondere, wenn wir die ersten Verse des Psalms lesen, unser himmlischer Vater kennt mich durch und durch. Ob ich sitze oder stehe – er weiß es, aus der Ferne erkennt er mich, was ich denke. Ob ich gehe oder liege – er sieht mich, mein ganzes Leben ist ihm vertraut. Schon bevor ich rede, weiß er, was ich sagen will. Von allen Seiten umgibt er mich und hält seine schützende Hand über mir. Dass er mich so genau kennt – unbegreiflich ist das, zu hoch, ein unergründliches Geheimnis!

Das macht deutlich: es ist kein Zufall, dass ich in eine Familie geboren wurde – unter welchen Umständen auch immer. Es gibt einen Zusammenhang zwischen meinem Lebensauftrag und meiner Herkunft. Und es ist wichtig, die eigenen Hintergründe zu erkennen, um der eigenen Berufung auf die Spur zu kommen. Denn wenn ich erkenne, wie Gott in meiner Vergangenheit gewirkt hat, gibt mir das vielleicht Hinweise darauf, wie Gottes Zukunft für mich aussieht. Die Botschaft meines Lebens erwächst ein Stück weit aus meiner Lebensgeschichte.

  • Was löst es in dir aus, an deine Vergangenheit zu denken?

  • Welche Ereignisse und Umstände haben Fähigkeiten in dir wachsen lassen? Welche Fähigkeiten wurden unterdrückt?
  • Welche Chancen ergeben sich aus deiner Vergangenheit? Gibt es so etwas wie einen roten Faden, der sich durch dein Leben zieht?
  • In welchen Antworten entdeckst du deine Berufung von Gott, sein Handeln für die Welt durch dich?
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9 Gedanken zu “Es muss nicht immer der Tintenkiller sein

  1. Wunden werden zu Chancen – wir haben den Schatz in irdenen, zerbrechlichen Gefäßen (2.Kor. 4,7). Aber wenn wir das Licht Gottes in uns tragen und wir Tonkrüge sind mit Rissen – dann sind es gerade die Risse, durch die das Licht scheinen kann und nach außen sichtbar wird. Nicht indem man behaupten kann: Jesus hat aus mir Tonkrug einen Eisenkrug gemacht – sondern: Jesus kann mit mir Tonkrug mit meinen Ecken und Rissen eine Menge anfangen. Dank dir!

  2. Jaaa, irgendwann wird auch der windhauch noch zu diesem Psalm kommen. 😉
    Gute Gedanken. Oft wird ja eher das Gegenteil betont: Mit Christus wird alles neu (2.Kor.5,17) und das Alte, die Vergangenheit ist vorbei (also mehr so „Tintenkiller-mässig“). Und das stimmt ja auch: mit Christus wird alles anders, alles neu. Aber es heißt eben nicht, dass die Vergangenheit weg ist, sondern dass sie im Licht Christi ganz anders und neu gesehen werden kann… Und in diesem Licht kann ich vielleicht auch Gottes Berufung ganz neu erkennen.

  3. … wie schön, euch in trauter Runde anzutreffen 🙂 Danke, dass es euch gibt.
    … und in dem nächsten Beitrag zum Thema Berufung, wird es wieder darum gehen, mein ganz persönliches „Sein“ mit einzubeziehen.

  4. „Die Botschaft meines Lebens erwächst ein Stück weit aus meiner Lebensgeschichte.“ – Biographische Selbstreflexion liest den von Gott gesprochenen Roman unseres Lebens gewissermaßen in hebräischer Schriftsprache sowie im Lichte des Evangeliums ;-).

  5. Upps Eule *zweimal, nein dreimal les’*… intelligente Herausforderung, was du damit alles ausdrücken willst. Oder sagt mir der zwinkernde Smilie, dass war ein Rahner? Upseule … auch ein schöner Name 😉

    Aber mal nachgedacht … Also … wenn meine biografische Geschichte die hebräische Schriftsprache und das Licht des Evangeliums sind, dann bin ich ja ein wichtiger Teil des Urtextes. Also ich mein … dann wird ja nur noch deutlicher, wie vollkommen wir in Gott sind und wie er durch uns Geschichte schreibt. Eine Tiefe unergründlichen Maßes. In etwa so?

  6. Hi Sabina – Es war unser lieber Bruder Martin Luther, der mich im Zusammenhang mit Deinem Blogeintrag inspirierte: „Die Wege Gottes sind wie ein hebräisches Buch, das man nur von hinten lesen kann.“ Gottes Wege in der Universal- aber eben auch Individualgeschichte. Im Lichte des Evangeliums. Insofern sind wir in der Tat Bestandteil eines geredeten kosmischen wie lebensgeschichtlichen „Urtextes“, dessen Sinngehalt sich uns eben allererst durch Christus erschließt. Lieben Dank für Deine nachdenkliche Umkreisung meines Beitrages!

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