Alles hat seine Zeit – alles hat seinen Sinn

Mein Blog begann einst mit den Versen aus Prediger 3. Heute noch finde ich diese Verse sehr schön und treffend, absolut alltagstauglich und richtig passend für einen Blog, auf das man täglich seine Erfahrungen und Erkenntnisse mit Gott niederschreibt.

Auch heute noch mag ich die Verse aus Prediger 3 sehr.  Sie sind das Leben: wunderbare Zeiten, die ich genieße und Zeiten des Zusammenbruchs, die man am liebsten schnell wie einen Vorhang beiseite schieben möchte.

geboren werden und sterben,

einpflanzen und ausreißen,

töten und Leben retten,

niederreißen und aufbauen,

weinen und lachen,

wehklagen und tanzen,

Steine werfen und Steine aufsammeln,

sich umarmen und sich aus der Umarmung lösen,

finden und verlieren,

aufbewahren und wegwerfen,

zerreißen und zusammennähen,

schweigen und reden.

Das Lieben hat seine Zeit und auch das Hassen,

der Krieg und der Frieden.


Beide Seiten des Lebens haben ihre Berechtigung wollen gelebt und angeschaut werden.

Jedenfalls  ich betrachtete den Prediger immer „tiefsinnig gelassen“, ist mein Glas doch eher halb voll als halb leer, lache ich gerne und bin auch optimistisch. Überlebensstrategie? Mag sein, denn es gibt reichlich Zeiten bei mir, da stehe ich mit dem Rücken zur Wand. Den Prediger habe ich irgendwie für weise gehalten, seine depressive Ader habe ich nicht wahrgenommen oder ausgeblendet.

So kam ich November 2008  in den Gottesdienstraum und las auf der Leinwand: „Sinn der Sehnsucht“. Oh … prima – dachte ich – passt irgendwie zu meinen Sehnsuchtsreisen in meinem Leben und auf meinem Blog, da bin ich doch mal gespannt, was mein Pastor dazu zu sagen hat. Ich habe bei der Überschrift mit allem gerechnet, aber nicht mit Prediger 3 als Grundlage. Es ist aber ein herrlicher Ausgangspunkt, denn entsteht nicht aus einer melancholischen und depressiven Verstimmung eine tiefe Sehnsucht nach Jesus? Ich habe mal die CD hervor gekramt:

Ist es nicht so, wenn du dich daran gewöhnt hast, dass alles wieder gut ist, das alles rund läuft, dass du wieder Sicherheit gewonnen hast und du kommst zurecht  … dann bleibt es nicht immer so. Murphis Gesetz: du siehst Licht am Ende des Tunnels und es könnte ein einfahrender D-Zug sein.

Dieses auf und ab in unserem Leben … wie sehr teilen wir mit Freunden die Sehnsucht, dass es doch nicht immer so sein muss, das hinterher alles wieder zusammen bricht, sondern das es mal gut weiter geht.

Der Prediger hat es sich zum Spezialthema gemacht „alles eitel Haschen nach dem Wind – eigentlich hat alles keinen Zweck“. Ein deprimierter Grundton ist beim Prediger zu spüren. Es ist das, was er und viele Menschen in unserer Welt wahr nehmen. Es geht mal gut, dann geht es aber auch mal wieder schlecht. Nichts ist so recht dauerhaft.

Was hat ein Mensch von seiner Mühe und Arbeit? Ich habe die fruchtlose Beschäftigung gesehen, die Gott den Menschen auferlegt hat. Gott hat für alles eine Zeit vorherbestimmt, zu der er es tut; und alles, was er tut, ist vollkommen. Dem Menschen hat er eine Ahnung von dem riesigen Ausmaß der Zeiträume gegeben, aber von dem, was Gott in dieser unvorstellbar langen Zeit tut, kann der einzelne Mensch nur einen winzigen Ausschnitt wahrnehmen.

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen: Das Beste, was der Mensch tun kann, ist, sich zu freuen und sein Leben zu genießen, solange er es hat. Wenn er aber zu essen und zu trinken hat und genießen kann, was er sich erarbeitet hat, dann verdankt er das der Güte Gottes.

Ich habe erkannt: Alles, was Gott tut, ist unabänderlich für alle Zeiten. Der Mensch kann nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen.

So hat es Gott eingerichtet, damit wir in Ehrfurcht zu ihm aufschauen.

Tick – Tack – Tick – Tack … einer Uhr – nichts bleibt stehen. Der Fluss der Zeit, in dem wir stehen. Nicht aufzuhalten, nicht festzuhalten. Die schönen Augenblicke kann ich nicht für immer haben.

Der Prediger kann  nichts positives daran sehen, er steht ratlos dem gegenüber und sagt seufzend „das kann man nicht ändern“, alles sinnlos, alles haschen nach dem Wind.  Das Gute in der Welt, kann der Prediger so nicht sehe. Solche Gedanken sind ihm verschlossen. Ein Vorankommen und reifen kann er so nicht feststellen. Wir bekommen mit dem Prediger ein Grundgefühl einer fatalen Lebenswirklichkeit. Wir könnten es anders sehen, dennoch können wir seinen Gedanken gut folgen. Man müht sich ab und kein Gewinn davon. Und wenn das schon so ist, sollte man die guten Phasen, die man erwischen kann voll genießen.

Aber aus diesem Wechsel des Lebens entsteht die Sehnsucht, dass es doch mal anders wird. Wir bleiben hier nicht stehen und schauen nur durch die Brille des Predigers, sondern schauen weiter: mit Jesus kommt Farbe in dieses schwarz-weiß-Bild. Da können wir differenzieren, auch wenn wir weiter in diesem Hin-und-Her des Lebens teilnehmen, denn mit Jesus ist neues geschehen.

Auch das, was wir nicht verstehen in unserem Leben, bekommt eine andere Farbe.

Jesus sagt: „sieh zu, dass dein Haus auf Fels gegründet ist, dass du das Evangelium annimmst, dann kannst du den Sturm überleben, ohne das dein Lebenshaus zusammen kracht“.

Mit Christus haben wir einen Horizont über das Sterben hinaus. Das was sonst nicht überschreitbar ist, für keinen Menschen, dass ist durch Christus neu geworden. Christus hat unsere Sache, unser Scheitern,  zu seiner Sache gemacht. Am Kreuz hat er unser Scheitern getragen und  hat uns die Gnade Gottes geschenkt. Jesus die Auferstehung und das Leben. Diese Perspektive der Hoffnung ist das was wir empfangen haben. Mit ihm bekommt die Ewigkeit ihren besonderen Wert – kein ewiger Leerlauf – sondern eine farbige Ewigkeit, die lebenswert ist. Qualifiziertes Leben. Leben in voller Genüge. Eine liebevolle Ewigkeit. Christus hat uns hinein genommen in die Dynamik der neuen Welt. Er wurde Mensch, damit auch wir Perspektive gewinnen.

So können wir auf der einen Seite sagen: Ja … was der Prediger feststellt ist wahr, aber zugleich ist es auch durch das Evangelium überholt und überwunden. Paulus schreibt mit eindrücklichen Worten den Korinthern (2. K. 6, 2):

Gott sagt: »Wenn die Zeit kommt, dass ich mich über euch erbarme, erhöre ich euch; wenn der Tag eurer Rettung da ist, helfe ich euch.« Jetzt ist die Zeit der Gnade! Jetzt ist der Tag der Rettung!

Du hast deine Chance und jetzt koste diese Zeit aus und nimm die Möglichkeiten und Chancen des Evangeliums in deinem Leben wahr.

Eine Zeit der Gnade ist auch eine Zeit der Einladung und hier hinein beruft uns Jesus (ey… noch ne Berufung!). In einen Dienst der nicht sinnlos ist, sondern zu unserer Identität und Berufung werden darf.

Der Prediger redet aber nicht nur von Menschen, sondern auch von dem was Gott tut. Gerade das piekt ihn ja so an, dieses auf und ab des Lebens geht auf Gott selber zurück. So hat Gott das eingerichtet aber, der Prediger kann das nicht begreifen. Und wir müssen uns das auch zugestehen: wir können das auch nicht ganz begreifen, warum das so ist.  Musste das denn nun so sein, musste das denn so kommen? Aber eines weiß der Prediger, was Gott tut besteht für ewig. Er erinnert an die Schöpfung, als er sagt, Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit. Also da ist doch irgendwo eine gute Grundlage, als Gott sagte: “ … und siehe es war gut.“ Dann fährt der Prediger fort: Gott hat die Ewigkeit in ihr Herz gelegt. Da gibt es eine Sehnsucht die wir teilen mit allen Menschen und Freunden nach etwas anderem als das, was vor Augen ist. Wir können nicht ergründen, warum Gott etwas tut wie er es tut.Wir wissen nicht, wo es angefangen hat und wo es aufhören wird. Aber diese Sehnsucht ist da.

Und vielleicht liebe Leute, ist die Sehnsucht … die Sehnsüchte die in unserem Leben entstehen … die Sehnsucht, das es besser wird … das wir das gute genießen können … das wir Partner haben, mit denen wir gut zurecht kommen … das wir beruflich einen guten Stand haben, Anerkennung finden, unser Einkommen und Auskommen … das wir Freunde haben … meinetwegen auch eine tolle Gemeinde … oder einfach ein Leben haben, mit viel Freude … in unserer kleinen Familie, in unserer erweiterten Familie … mit den Menschen, mit denen wir leben …vielleicht ist diese Sehnsucht, die in der Welt nie ganz gestillt wird … die immer einen Hunger zurück lässt … nie ganz befriedigt … nichts weiter als genau das, dass wir eine Sehnsucht entwickeln sollen, nach dem, der hinter dem ganzen Leben steht.

Resignierende Worte reichen weit hinaus. Da gibt es noch etwas, worauf die Sehnsucht hinweißt. Da gibt es noch was, was Erfüllung verheißt.  Wo das eigentliche nicht sichtbar ist. Nicht auf ein Konto eingezahlt wird. Oder in einem großen tollen Freundeskreis und in einer ausfüllender Partnerschaft liegt. Es ist eine Erfüllung, die Jesuskinder bei Jesus entdeckt haben und von denen Gott sagt: „das jeder der sucht, auch finden wird und das Lebenshaus nicht zusammen krachen wird, nicht einmal beim sterben.“

Was für ein Versprechen!!

Jesus, Fels des Lebens.

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6 Gedanken zu “Alles hat seine Zeit – alles hat seinen Sinn

  1. Ein geniales Buch, das Buch Kohelet. Hat mich auch schon viel beschäftigt, und ich merke, je länger ich Christ bin, immer mehr, wie sehr der Schreiber mit seiner Empfehlung recht hat, sich des Lebens zu freuen und es dankbar aus Gottes Hand zu nehmen. Verbissene, verbitterte und ausschließlich pflichterfüllte Christen haben wir schon zu viele…

  2. Das ist ja fein, dass es euch gefallen hat. Ist ganz schön lang der Artikel, ich habe gedacht, es hält keiner bis zum Ende durch. Aber da ist so viel wahres und gutes drin, da musste ich einfach viel von der CD bringen.

  3. Ja wie wahr liebe Sabina! Das Leben ist ein ständiges auf und Ab, und wenn man meint eine Lektion gelernt zu haben, wartet Gott mit der nächsten auf. Dieses „Alles hat seine Zeit, das Lieben und das Hassen“, hat mich schon oft getröstet. Denn es läüft eben nicht immer rund im Leben, oft darf man immer wieder von vorn anfangen. Wie Du schon sagst, Jesus ist der Fels. Egal was ist, ER geht mit uns mit und trägt uns. Das ist dann mein großer Trost. Bewundere immer wieder Deine so vielen guten Gedanken und Themen.

  4. Wirklich schöne Gedanken. Danke fürs online stellen Sabina!
    Ich bereite gerade eine Jungscharstunde vor und werde sicher so einiges an Anregungen übernehmen 🙂
    Liebe Grüße

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