Vertrauen – ein gegenseitiges Nehmen und Geben

Hast du Vertrauen zu deinem himmlischen Vater?

Klar, logisch, unzweifelhaft! Der Schöpfer dieser Welt, der alles so komplex und einzigartig  und wunderbar erschaffen hat, alle meine Ecken meines Herzens kennt, um alles weiß und der für mich seinen Sohn geopfert hat, damit ich von der Scheiße (verzeiht, manchmal vergesse ich, dass ich ein Mädchen bin) erlöst bin … natürlich habe ich Vertrauen zu diesem, meinen himmlischen Vater.

Wirklich?

Wie ist es mit einer Freundschaft? Hast du hier auf Erden nicht erst dann absolutes Vertrauen, wenn man sich kennt und wenn sich Beziehung bewährt? Muss du nicht erst eine Menge positive Erfahrungen machen, bevor du sagst dieser Freund ist ein wahrer Freund? Dauert es nicht manchmal Jahre der Bewährung und Zeiten durch dick und dünn, bevor du sagst „…uns trennt keiner, egal was komme“?

Und wenn es diesen Freund gibt … sind da nicht doch Schubladen voller Negativerfahrungen, die dich blind machen und du das Wort „Vertrauen“ erstmal im Lexikon, im Pschyrembel, im Brockhaus und bei Wikipedia nachgeschlagen musst und dann immer noch nicht weißt, wie „Vertrauen“ funktioniert?

Und das alles hier ist sichtbar, begreifbar und anfassbar. Wie aber Vertrauen haben, an einen unsichtbaren Gott und Vater? Und ich frage dich neu:

Hast du wirklich Vertrauen zu deinem himmlischen Vater?

Seit einigen  Monaten stelle ich mir sehr offen genau diese Frage und stelle erschrocken fest, wie leicht mir doch diese Terminologie von den Lippen geht, ich dabei sogar noch klasse rüber komme und wie wenig meine Worte sich im Herzen verwurzelt haben.

Am Mittwoch ist mir bei einer Fortbildung ein geistliches Bild erneut aufgegangen:

Mal wieder kam an so einem pädagogischen Tag die Frage, welche Lerntypen es so gibt. Ich bin ein ausgewogener visueller, auditiver und kinästhetischer Lerntyp mit einem Touch mehr Visualität. Hier ein kleiner Exkurs:

  • visueller Lerntyp: alles, was über das Auge erfasst wird, kann dieser Lerntyp besonders leicht begreifen und länger behalten. Wo es was zu sehen gibt, wird gut gelernt und bleibt besser verankert.
  • auditiver Lerntyp: alles was akustisch aufgenommen wird, geht scheinbar mühelos ins Langzeitgedächtnis und auch in Stresssituationen kann man sich die Worte ins Gedächtnis rufen. Lernstoff, den es nur in schriftlicher Form gab, kann besser gespeichert werden, wenn er über einen akustischen Weg erneut verankert wird.
  • kinästhetischer Lerntyp: In dem Wort „begreifen“ steckt, das man den Lernstoff anfassen oder sich von ihm berühren lassen möchte. Immer wo es möglich ist, über die 5 Sinne selbst in Kontakt zu treten mit dem Lerninhalt, kann der Erfolg greifbar nahe sein.

Soweit der Exkurs. Nun das leise Flüs am Mittwochvormittag: Oft kein Wunder, dass ich den unsichtbaren Gott so unpersönlich und so unnah empfinde und „Vertrauen“ ein guter Wille ist, von mir aber schlecht umgesetzt wird. Und wenn ich da schon was anfasse oder berühre oder höre, dann sind es oft so falsche Stimmen, die vergiften (Danke Freund, für das Wort „toxisch“).

Was brauchen wir also, um dieses wahnsinnige tolle Wort Vertrauen zu leben und eine wirklich vertrauensvolle Beziehung zu einem unsichtbaren Gott zu haben?

  • sich öffnen für den Heiligen Geist
  • mit dem Herzen sehen, wo die aufrichtigsten Augen sitzen
  • fühlbare und sichtbare persönliche Erlebnisse in einer verblendeten Welt
  • und dann diesen Gott anfassen und berühren
  • mit ihm Beziehung leben und es zu lassen, dass ER erfahrbar ist
  • mit diesen Erfahrungen wächst Mut zum Vertrauen in einen unsichtbaren Gott, der gar nicht unsichtbar ist

Oder um es auch mal mit anderen Worten auszudrücken: dieser himmlische Vater will und wird mir Dinge von seiner Seite aus zeigen, wo ich nur zuschauen brauch, damit aus der Menge dieser Erfahrungen aus meinem Vertrauen mehr wird, als nur eine schlechte Umsetzung.

Magst du noch lesen?

Dann schau, was ich dir hierzu von einem erfahrbaren himmlischen Papa noch alles mitbringe. Weihnachten war ich 14 Tage am Ort meines Rückzuges. Dieser Rückzugsort ist nicht immer nur Wellness, er ist auch Trainingslager.

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Hier will sich manifestieren, was geistlich gelehrt wurde und sich intellektuell erst einmal nur im Kopf festgesetzt hat. Hier will ausprobiert sein, was es heißt, die Autorität Gottes, die Waffenrüstung, anzulegen und im Namen Jesu dem Bösen Einhalt zu gebieten und ebenso zu beten „… Vater vergib uns, denn wir wissen nicht, was wir uns antun.“ Noch ungeübt, noch stotternd aber konsequent, gehen solche Gebete durch mein Herz.

Der Erfolg ist nicht immer sichtbar, die Puste geht aus, schreiend und klagend folgt das Gebet: „… Vater, ist es denn schon so schlimm um uns bestellt, dass du uns verlassen hast?“ Noch nicht klar bei Sinne betrete ich den Balkon und schau zu den Bergen: Wow … ein Regenbogen!!

… und das Flüs: „Nein, schau her. Ich dein Gott habe einen Bund mit euch Menschen und dir persönlich geschlossen. Ich bin dein Gott und  dein Vater und habe dich und euch nicht vergessen.“

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Ein weiterer Tag in meinem Trainingslager: das Schreien wird noch intensiver, nun bleibt mir richtig die Luft weg. Ich stehe im Wohnzimmer, mein Herz findet keine Worte aber es schreit und weint erbärmlich mit unsichtbaren Tränen „wo bist du Gott in unserer Familie“. Instinktiv – eigentlich will ich in diesem Raum nichts – gehe ich durch die Tür ins Schlafzimmer. Sofort an der Schwelle der Tür verschwindet dieses Schreien, ein heiliger Frieden tritt ein und macht sich im Herzen breit. Wow … welch eine Symbolik durch diese Tür zu treten, aus der einen Welt heraus, hinein in die andere … trete ein und nimm das Land voll ein … jetzt kommen sichtbare Tränen der Freude.

Doch der Mensch, eine eigensinnige Natur … misstrauisch … immer noch benötige ich Liebesbeweise und solch weitere bleiben nicht aus. Du musst wissen, auf dieser Insel fliegen öfters Flugzeuge und ziehen Banner hinter sich her. Werbung für Diskos, Werbung für Immobilienmakler, Werbung für „… wo kann ich noch Essen gehen.“

Im Frühjahr letzten Jahres nun, beobachtet ich alle zwei Tage einen Banner „es gibt einen der dich liebt.“ Jetzt hier im Winter flogen sie alle wieder, nur der Eine nicht. Der Jesus-liebt-dich-Banner flog schon über eine Woche nicht. Wie schade. Auf einem meiner letzten Spaziergänge reflektierte ich die Zeit in meinem Trainingslager und betete „Jesus, wenn das alles wirklich von dir so war, was ich in den letzten Tagen erlebt habe, dann zeig es mir noch einmal und lass mich sehen, wie du es in den Himmel schreibst.“ Zwei Tage nach diesem Gebet und ein Tag vor meiner Abreise flog dieser Banner über meinem Kopf:

Jesus Christus liebt dich

Danke Jesus. Danke Vater. Es ging nicht darum „Gott herauszufordern“, das möchte ich auch sehr bescheiden betrachten. Dennoch brauchte ich in dieser Zeit unwahrscheinlich viel ein „auf mich zukommen von Gott“ um anzufassen, zu sehen, konkret zu erleben, zu fühlen, mit allen 5 Sinnen wahr zu nehmen:

Gott arbeitet auch von seiner Seite aus, damit mein Vertrauen wächst.

Wenn du sowas erlebst, dann ist sogar die Shufflefunktion eines 2 GB MP3-Players Reden Gottes, der nach einer stillen Zeit ausgerechnet das Lied „ich bin verändert, irgendwie“ von Rosenstolz spielt.

Wir brauchen solche Erfahrungen, ich brauche solche Erfahrungen, solche Liebesbeweise, damit mein Langzeitgedächtnis in Zeiten außerhalb der Stille mich daran erinnert: wir haben es mit einem erfahrbaren tollen Gott zu tun, einem Vater, der uns nicht alleine lässt. Der sicherlich nicht so antwortet, wie wir es uns wünschen. Der es aber möglich macht, dass wir uns mitten im Sturm des Lebens  genau an jenem Berg der Unmöglichkeit, der am liebsten weichen soll, Schutz und Wärme und Sicherheit bekommen, so wie es hier meiner Freundin erging, an einem sehr stürmischen Tag und nach einer Nacht, der einem Weltuntergang glich.

So bin ich dankbar, dass ich ein ausgeglichener visueller, auditiver und kinästhetischer Lerntyp bin, mit einer Begabung der Fotografie gepaart mit Impulsen aus dem Reden Gottes, mit der ich Teile aus der geistlichen Welt verstehen darf. Danke Papa, denn du hast mich so geschaffen!

Cala Sa Vincente 9

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7 Gedanken zu “Vertrauen – ein gegenseitiges Nehmen und Geben

  1. Ja, wir brauchen solche Liebesbeweise! Ich brauche vor allem eine Sensibilität dafür, denn wahrscheinlich laufe ich zu oft dran vorbei. Wie oft habe ich nach solchen kleinen Liebesbewiesen geschrieen und es kam vermeintlich nichts…

    Das mit den verschiedenen Lerntypen ist toll. Vor allem: es auf den Glauben zu beziehen, denn wenn Gott allen Menschen zugänglich ist, dann muss er eben auch hörbar, ertastbar, sichtbar werden – wie auch immer und über welche Umwege… das weitet mein Denken und Wahrnehmen. Danke!

  2. Das ist das Ziel: das geistige Sein und das geistliche Sein ganzheitlich zu betrachten, denn NICHTS vor Gott ist ausgeklammert. Das ist das wunderbare an seiner Schöpfung, uns zum Heil und ihm zur Ehre!

  3. Gott arbeitet auch von seiner Seite aus, damit mein Vertrauen wächst.

    Wie wahr – und wenn wir manchmal Schwierigkeiten haben, ganze Sache mit ihm zu machen, dann bringt er uns bisweilen in Situationen, in denen uns nichts anderes übrig bleibt, als ihm zu vertrauen – in denen wir mit unseren menschlichen Möglichkeiten am Ende sind. So ging’s mir jedenfalls schon mehr als einmal…

  4. Ich muß auch alles sehen, anfassen und begreifen. Mir helfen eher Bilder, um Gott zu begreifen.(wenn ER sich denn begreifen läßt, ist ja mitunter auch der schweigende und unbegreifliche Gott).Mit den unterschiedlichen Lerntypen hat mir auch gut gefallen.

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