Begabt oder Unbegabt

Hatte ich irgendwie im vorherigen Artikel hervorgehoben: offen sein dafür, von Gott gebraucht zu werden?

Dann verfolgt mich das, denn hier in meinem Andachtsbuch steht heute ähnliches: „Warum sagen Sie nicht heute: Herr, hier bin ich, gebrauche mich! Und nach dem Sie dieses einfache Gebet gesprochen haben, sein Sie bereit. Gott wird Ihnen vielleicht erstaunliche Gelegenheiten senden, damit Sie heraustreten und zu seiner Ehre gebraucht werden.“

Nun … erst einmal spulen wir die Tage ein wenig zurück.

***

Im Nikodemus.net Workshop begegnet mir der Bibelvers:

Seht doch auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.

Menschliche Fähigkeiten und Maßstäbe scheinen nicht unmittelbar für Gott ausschlaggebend zu sein, Menschen zu berufen.  Gott kann begabte Leute berufen aber vergiss nicht: der Umkehrschluss ist ebenfalls möglich, dass Gott berufene Leute begabt.

Moses: Er tritt vor den damaligen Herrschern für sein Volk ein, aber ein redegewandter Mann war er anfangs nicht. Zögerlich war er auch noch. Denn selbst nachdem sich Gott in einem brennenden Dornbusch, durch seine Stimme und weitere Zeichen zu erkennen gegeben hat, schlägt Mose vor, Gott solle sich einen anderen suchen. Ein begabter Held und ein Vorbild sieht doch irgendwie anders aus, oder? Trotzdem hält Gott an seiner Berufung fest und Mose erfüllt komplexe Aufgaben bis zum Lebensende.

Oder nehmen wir den mir sympatischen Petrus. Obwohl er Jesus im Stich lässt und ihn verleugnet, macht Jesus ihn zu einem wichtigen Mann der frühen christlichen Gemeinde.

Er beruft, wen und wie er es für richtig hält, weil es doch so ist, dass Gott Dinge an Menschen sehen kann, die anderen verborgen bleiben. Der Betroffene selber scheint vielleicht noch nicht einmal wahrzunehmen, was er „kann“ oder „könnte“ und so beruft Gott unter Umständen Menschen, die noch ungeeignet erscheinen.

Das bedeutet aber nicht, Gott sei Begabungen völlig egal. Paulus: Er war ein eifriger und begabter Theologe seiner Zeit. Nach seiner Berufung lässt er sich von Gott gebrauchen. Gott gebraucht die Begabung, das Können und Wissen von Paulus. Und Paulus lässt sich auf Gott ein, bleibt nah bei ihm und hört auf ihn.

Eines haben aber Moses und Paulus gemeinsam und das scheint der Schlüssel zu sein:  die innere Einstellung des jeweiligen Menschen spielt eine zentrale Rolle. Gott beruft mich also nicht unbedingt deshalb, weil ich besondere Fähigkeiten besitze. Er kann mich auch für Dinge berufen, für die ich mich ungeeignet halte. Er wird mich dann befähigen und mir helfen. Das macht mich von ihm abhängig. Das hält mich nah an ihm. Ich darf weiter auf ihn hören und dann kann meinen Berufung wachsen.

***

Ein paar Tage später blickte ich auf einen Tag zurück, an dem nicht alles glatt lief, an dem ich meine Begabung hinterfragte. An meinem Andachtsbuch liebe ich es, dass mich das Datum „wir haben heute den 19. Mai, Sie lesen hier aber den 3. Januar“ nicht stresst (so eine falsche Leistungsphobie eines Christen). Dieses Buch lege ich immer dann zurück, wenn in mir was „arbeitet“ und nehme es erst wieder zur Hand, wenn mein „Gefäß“ neu aufnehmen kann. Eigentlich bin ich irgendwo bei „Tag 57“, wagte aber das Experiment das Buch doch wahllos zu öffnen und der Daumen stoppte bei „Tag 270“. Was begegnet mir? Der oben zitierte Bibelvers aus 1. Korinther 1, 26 -29:

Denn seht eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache.

Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das was nicht ist, damit er das, was ist zunichte mache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.“

Da war sie dann wieder die Frage nach den geeigneten oder ungeeigneten Gefäßen. Gott hat also Freude daran, die zu berufen und zu gebrauchen, an denen die Welt vorüber geht und die sie als nichts erachtet. Ein alter Prediger sagte einmal: „Gott sucht keinen goldenen Gefäße, Gott sucht keine silbernen Gefäße, Gott sucht hingegebene Gefäße.“  Ich glaube es stimmt und es ist erstaunlich, was Gott durch das Leben eines Menschen tun kann, der die Ehre nicht für sich selber braucht.

Und wenn du denkst, du hast nicht viel zu bieten, dann bist du genau richtig. Denn wenn Gott durch dich und mich Große Dinge tut, wird ER die Ehre dafür bekommen. Die Leute werden wissen, dass ER es war und nicht ich, wenn wir denn offen sind …

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s