durchkreuzT!

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben. Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.

Paradoxis ist Widersprüchliches in sich selbst. Das ist ein blond gelockter Jüngling, der mit kohlrabenschwarzen Haar auf einer roten Bank sitzt, die blau angestrichen war. Das sind schweigend im Gespräch vertiefte Menschen oder weinende Kinder, die lachen. Das sind runde Ecken oder auch langsam rasende Autos.

Paradoxis ist nicht logisch, wie 1+1 zwei ergibt. Es passt in unser Denksystem nicht zusammen. Die Botschaft vom Kreuz ist den Juden ein Skandal und den Griechen eine einzige Torheit. Ärger, Anstoß, schwachsinniges Gerede …

Doch Paulus erkennt gerade in dieser Torheit des Kreuzes, ja in diesem Skandalon, in diesem Skandal und Schwachsinn den er glaubt und verkündigt, die Weisheit und Kraft Gottes.

Warum Kraft? Ausgerechnet an dem Ort der größten Schmach und Schwäche?

Wie soll ausgerechnet dort Gottes Kraft liegen? Völlig paradox! So ein Schwätzer, der uns für dumm verkaufen will, so ein Verrückter …

…so denken es viele auch bis heute. Die Menschen haben da gar nicht so unrecht, wenn sie denken, der Mann ist doch verrückt geworden.

Und es stimmt: Paulus ist verrückt worden von Gott, er ist selbstverständlich nicht irrre aber sein Leben ist verrückt worden und das durch Gott. Aus der Begegnung des gekreuzigtem und auferstandenem Jesus von Nazareth wird hier aus dem Saulus – der gegen die Jünger schnaubte, drohte, mordete – der Paulus, dem Gotte es zumutet völlig um zu denken.

Das der Höchste zum Niedrigsten, der Stärkste zum Schwächsten und der Mächtigste zum Machtlosesten wird, sprengt all unser Logikdenken und ist in sich gar nicht richtig denk- und begreifbar.

Das Gott in Jesus Christus Mensch wurde und sich auf seinem Weg zum Kreuz von seinen eigenen Geschöpfen schlagen, anspucken, treten, verspotten und von diesen verurteilen lässt, sprengt und zerschlägt all unsere Logik, unser Denken und unsere Vorstellungskraft über Gott.

Am schändligsten Ort aller Orte der Gipfel der göttlichen Offenbarung liegt, ist für das menschliche Denken von und über Gott ein einziges Paradoxon. Ein Widerspruch der bereits damit beginnt, dass Gott Mensch wird …

… Paulus erkennt gerade an dem Widerspruch des Kreuzes, dass Gott sich hier eben nicht durch das Denken, sondern allein durch den Glauben den Menschen offenbaren will. Die Torheit des Kreuzes kann nicht durch noch so rationale noch so kluge Denkleistungen oder durch die Weisheit des Menschen erkannt oder durchschaut werden.

… und so soll es auch gar nicht sein, denn genauso hat es Gott wohl gefallen. Genauso war es Gottes Absicht und Ziel, denn durch die Torheit des Kreuzes zerschlägt er zugleich die Weisheit der Welt. Daher konnten die Weisen und großen Denker dieser Welt gar nichts anderes als Torheit in dem Kreuz finden. Deswegen versuchte Nietzsche gerade durch das Kreuz alle Behauptungen von Gott at absurdum zu führen. Goethe lehnte es ab, weil auch er in seinem Denken den Widerspruch im Kreuz nicht aushielt und deswegen äußerte er. „Mir willst du zum Gotte machen, solch ein Jammerbild am Holze?“

Wer mit weltlicher Weisheit nach dem Kreuz fragt, wird im Kreuz nur Torheit finden und das liegt gar nicht an seiner eigenen Dummheit, sondern an einer Entscheidung Gottes. An der Entscheidung eben nicht durch die eigene Weisheit, Denkleistung oder Einsicht des Menschen erkennbar zu sein.

Wie absurd und ungerecht wäre das hinsichtlich auch unserer Unterschiede, denn dann würden ja unserer IQ-Werte entscheiden, wer Gott erkennen kann und wer nicht. Dann wäre letztlich unsere Klugheit oder Dummheit der Maßstab für unsere Annahme durch Gott.

Doch Gott achtet und würdigt die Individualität seiner Geschöpfe und eben weil er diese würdigt und achtet, lässt er nicht die kluge und weise Einsicht des Menschen zum Maßstab seiner Erkenntnis und Errettung werden. Es ist Gottes Entscheidung, dass alles religiöse, weisheitsstrebende oder philosophische Bemühen Gott außerhalb des skandalösen Kreuzes erkennen oder finden zu wollen, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Eine Suche, die sich nach dem mächtigen und hohem Gott ausstreckt, letztlich aber am Kreuz vorbeigeht, ist eine Suche genau an Gott vorbei. Eine Suche nach Gott, die sich an der Torheit des Kreuz vorbei mogelt, endet nirgends anders, als bei einer Gottheit, einem absolutem Ideal oder einer selbst konstruierten Vorstellung über Gott bis hin zum Götzen. Sie verläuft ins Leere, weil sie Gottes Gegenwart gar nicht in absoluter Niedrigkeit vermutet. Und sie verläuft ins Leere, weil sie Gottes Gegenwart in absoluter Niedrigkeit nicht denken kann … aber … oftmals auch gar nicht haben will. Denn letztlich will ja der Mensch entscheiden, wie Gott zu handeln und zu funktionieren hat und wie Gott sich letztlich auch zu offenbaren hat. Er will entscheiden über Gott und wenn er schon etwas tut, dann doch bitte so, dass es für alle erkennbar und vor allem doch bitte logisch nachvollziehbar ist. So wie in der Mathematik soll es sein, wo 1+1 zwei ergibt, wo wir doch bitte auch alle mitdenken können. Eine Offenbarung, an der wir Gott auch als Gott sehen können, als ein mächtiger und starker – nicht als Mensch und nicht als ein Verbrecher sich völlig ohnmächtig verurteilen lässt, nicht als ein schwacher, nicht als ein vor Schmerz schreiender und nicht als ein im Leid hängender Gott. Nein, dass passt für uns nun wirklich nicht zusammen.

Die Botschaft vom Kreuz ist paradox. Sie ist nicht logisch, deswegen ist sie eine einzige Torheit. Ja … und wer meint das torhafte Kreuz durch sein Denken verstehen zu können, der wird ähnlich wie Nietzsche oder Goethe immer nur Torheit im Kreuz finden können. Wer das Kreuz als mathematisches oder erkenntnistheoretisches Problem zu lösen versucht, der wird einen leeren Zettel abgeben müssen […]

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Danke Leila Touré (ein sehr schöner Name), EFG Wermelskirche, für dein Einverständnis zur Veröffentlichung einer kraftvollen Predigt (15. Februar 2009)

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