tief verwurzelt zur königlichen Palme

Durch eine Oase ging ein finsterer Mann, Ben Sadok. Er war so gallig in seinem Charakter, dass er nichts Gutes und Schönes sehen konnte, ohne es zu verderben.

Am Rande der Oase stand eine junge Palme. Sie war schön gewachsen. Das ärgerte Ben Sadok. Darum nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem bösen Lachen ging er fort. Die Palme schüttelte sich und bog sich und versuchte, die Last abzuwerfen. Doch vergebens. Zu fest saß der Stein in ihrer Krone. Da krallte sich die Palme fest in den Boden, schickte ihre Wurzeln so tief in die Erde, dass sie die verborgenen Wasseradern in der Oase erreichten, wuchs empor und stemmte dabei mit aller Kraft den schweren Stein hoch und höher, bis die Krone mit den großen Palmenfächern über jeden Schatten hinausreichte. Wasser aus der Tiefe und Sonnenglut aus der Höhe halfen dem jungen Baum, trotz seiner schweren Last eine königliche Palme zu werden.

Nach vielen Jahren kam Ben Sadok wieder. Schadenfroh wollte er den verkrüppelten Baum sehen, den er, wie er meinte, verdorben hatte. Er suchte ihn, aber er fand ihn nicht. Da senkte die stolzeste und höchste aller Palmen ihre Krone, zeigte ihm den Stein und sagte: Ich danke dir, Ben Sadok. Deine Last hat mich stark gemacht.

(unbekannter Verfasser)

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2 Gedanken zu “tief verwurzelt zur königlichen Palme

  1. Meinem Fiesling zu danken für Schweres, womit er mein Leben belastet, dafür habe ich nun wirklich kein Gen. Dennoch finde ich die bekannte Geschichte bedenkenswert. Eigentlich habe ich genug damit zu tun, mich nicht zu rächen, versuchen meinem Feind zu vergeben und Gott, der das zugelassen hat weiter zu vertrauen, dran zu bleiben. ja,ja man kann an Schwerem wachsen, nur selber krieg ich das nicht mit.

  2. Das ist auch schwer. Und manchmal denke ich „Vater, es reicht jetzt, wenn ich durch deine Schule gehen soll, ich mag das gerade nicht aushalten.“ Bei der Geschichte habe ich aber ein anderes geistliches Bild: nämlich diese grabenden und immer tiefer gehenden Wurzeln, die die Quelle der Ader finden, gemischt mit der Sonne der Vaterliebe und uns beides zu wunderschöne Königskindern macht, prächtig anzusehen: Prinzen und Prinzessinnen.

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