Eine aufgebrochene Schublade

Mag es jetzt drei oder vier Jahre her sein, da sind wir als Gemeinde in der Stadt aufgefallen. Wir haben ein Weihnachtsmusical vom Feinsten ab den Sommerferien einstudiert und in vier ausverkauften Veranstaltungen am Wochenende des dritten Advents auf der Bühne der Jugendbildungsstätte vorgeführt.

Das Ding war richtig professionell aufgezogen: Bühnenbild, Band, Chor, Schauspieler, Kostüme, Maske, Presse, Landrat, Solisten, Beleuchtung, Pyrotechnik, Straßenplakate … um nur mal die großen Dinge zu nennen.

Stadtgespräch …

… und Frauengespräch am Frühstückstisch in unserem Hauptgebäude meines Arbeitgebers.

Ich bin im Nebengebäude. Doch Hauptgebäude und Nebengebäude feierten zusammen betrieblich das Weihnachtsfest. Neben mir saß eine Kollegin, deren Tochter (damals wohl 14) bei dem Musical mitgespielt hat. Sie war eine Schulfreundin von irgend einem Teeni aus unserer Gemeinde. Die Mutter wollte ihr Kind christlich erziehen, es sollte in der evangelischen Landeskirche aktiv bleiben. Die Tochter fühlte sich bei uns jedoch heimischer und die Mutter wollte schauen, wer wir sind. Flüsternd und doch sehr offen zugewandt beugte sie sich zu mir rüber und wir sprachen über dieses Musical.

Warum leise und flüsternd? Nun … meine Kollegin teilte mir die Meinung des Frauenstammtisches mit. Alle waren recht begeistert. Lob in den höchsten Tönen. Doch dann … die Frage nach dem Initiator. Die Antwort: Baptisten. Aufgerissene Augen: oh, die sind ja besonders streng. Die erlauben keinen Sex vor der Ehe. Schublade auf, Meinung rein, Schublade zu, Sex Appeal einer Kirche gleich null, Gott Fragezeichen, nein dann doch nicht.  Die Frage an mich: „Sag Sie mal, stimmt das?“ Da war sie wieder: eine  Assoziation und ein Hauch einer Ahnung, sich zwischen dem breiten und schmalen Weg entscheiden zu müssen.

Tja SB aus BS, jetzt bist du gefragt. Ich weiß noch wie heute, was alles ganz schnell innerhalb von 3 Sekunden in meinem Hirn so durchratterte. Ich hatte Antworten parat, die ich irgendwie auswendig gelernt habe. Nee, all die wollte ich jetzt nicht schmalbreitweg3bringen. Ich bin ich und ich möchte so antworten, wie es mir auf dem Herzen liegt.

Es ist einige Jahre her, ich kann dir hier nicht mehr den O-Ton von mir wiedergeben. Ungefähr so muss es aber nach einem Vorgeplänkel weiter gegangen sein: „… Gott hat mich als Vater so lieb, dass es ihn schmerzt, wenn ich verletzt bin. Er weint, wenn ich weine. Er möchte mich bewahren, wie ein Vater nun mal schützend die Hände über sein Kind ausbreitet. Und ist nicht ein Zusammenkommen zwischen Mann und Frau etwas sehr inniges, in dem ich nicht nur ein Leib, sondern auch eine Seele bin? Wie sehr bin ich geknickt und manchmal auch vergebrannt für mein Leben, wenn ich verlasse oder verlassen werde?“

Ich bekam Zustimmung und beendete: „… deshalb will mich mein Vater einfach nur schützen, weil er im Vorraus weiß, was für mich gut oder schlecht ist. Dennoch lässt er mich frei entscheiden, was ich möchte. Wenn ich es anders möchte, dann wird er mich auch gehen lassen.“ (Ich habe an den verlorenen Sohn gedacht und daran, dass jeder Mensch sich alleine für Jesus oder gegen Jesus entscheiden muss, mein Vater mir dennoch liebevoll nachgeht.)

Ich muss nicht überzeugend gewesen sein. Mein Kollegin hat sich entschieden, dass ihre Tochter nicht mehr zu uns kommt. Vielleicht hat es auch andere Gründe, Svenja habe ich seitdem jedoch nicht mehr gesehen. Das ist zwar schade, dennoch bin ich auch heute noch überzeugt, dass meine Antwort eine gute war. Es war eine Erkenntnis aus meinem Leben.

Ich habe den dreieinigen Gott nicht als asexuellen und gefühlskalten Gott, der mich mit dogmatischen Verboten drangsalieren will, kennen gelernt. Ganz im Gegenteil. In der Bibel steht so viel gut durchdachtes für seine Kinder, auch in Sachen Sexualität. Ich beschneide mein Leben im Überfluss nur selber, wenn ich mit Gott in meiner Wohnung des Lebens zwar erholsame Stunden im Wohnzimmer, aufräumende Gedanken in der Küche und reinigende Prozesse im Bad erlebe, aber die Schlafzimmertür vor ihm schließe.

Viel mehr ist Sexualität eine spirituelle Angelegenheit und kein Missklang.

Der teilnahmslose Ausdruck „Gelegenheitssex“ und eine gebräuchliche Entschuldigung „es war ja nur Sex“, lässt eine Leere zurück. Denn das war es dann ja auch schon. Die Person bleibt zutiefst beziehungslos zurück. Man kann mit vielen Partnern Sex haben und dennoch zu tiefst einsam sein. Je mehr man beziehungslosen und unerfüllten Sex hat, umso einsamer ist man.

Und es ist möglich, verheiratet zu sein, mit jemandem das Bett zu teilen, aber beziehungslos zu leben. Und es ist möglich, verheiratet zu sein, mit jemandem das Bett zu teilen, sogar regelmäßig Sex mit dem Partner zu haben und dennoch beziehungslos zu leben.

Wenn es Geheimnisse gibt, die man nicht miteinander teilt, Themen die nicht angeschnitten werden dürfen, Ereignisse aus der Vergangenheit, die man nicht ansprechen darf, dann kann das Beziehung zerstören. Dann schläft man zwar miteinander aber in Wahrheit schläft jeder alleine.

Diese Assoziation vom „bequemen“ breiten Weg wird doch somit zu einem mühevollen und qualvollen Weg.  Kann er sich letztendlich ganz schnell zu einem schmalen Weg entpuppen, der mir die Freiheit raubt?

Der schmale jesusmäßige Weg, der vielleicht nach anfangs so holperig und schattig, so eng wie ein Nadelöhr, so freudlos dogmatisch aussieht … ist er nicht in Wirklichkeit ein Weg des Lebens im Überflusses?

Dieses Kind in der Krippe, ist ein König zum Anfassen, der dein und mein Leben befreit, weil Gott der Vater uns so sehr liebt.  Dieser König in der Krippe versteht dich, mich und die Welt, denn dafür ist er so schlicht, arm und einsam in einem Kuhstall zur Welt gekommen. Diesen einfachen Menschen, König, Sohn Gottes, Befreier und Erlöser, darfst du in dein Schlafzimmer intimes und privates Herz des Lebens einladen. Er ist kein König, der von einer Leibgarde abgeschirmt wird und du ewig auf eine Audienz warten musst. Jesus hat dir deine Last am Kreuz abgenommen, ist auferstanden und sehnt sich nach einer Freundschaft mit dir und uns allen. Du und ich, wir müssen vorher auch nicht perfekt sein, denn ich sage nicht, dass alles rosa rot ist. Ich bin aber überzeugt von dem, was ich hier schreibe.

Ich lade dich ein, dieses Kind in der Krippe kennen zu lernen und die Lebendigkeit in Überfluss hinter dem Kreuz zu entdecken. Einen gesegneten 1. Advent wünsche ich dir.

Artikelkarussell: Es war der Erste Advent im Jahre 2007

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3 Gedanken zu “Eine aufgebrochene Schublade

  1. Tja, schwieriges Thema. Auch ein thematischer Dauerbrenner unter den Jugendlichen unserer Gemeinde. Und ein Thema, bei dem man zusehends als „von vorgestern“ angesehen wird, betont man das biblische Bild von Sexualität, die im Rahmen einer Ehe gelebt wird. Dabei sehen wir die Folgen einer Art von Sexualität, die ihren von Gott erdachten Platz verlässt, jeden Tag: Noch nie war eine Generation vor uns so dauerhaft beziehungs- und bindungsunfähig…
    Ich muss dazu allerdings auch sagen, dass es schon Leute gab, die unsere Haltung durchaus bewundert und geschätzt haben. Das waren meistens Leute, die schon mehrere zerbrochene Beziehungen hinter sich hatten…

    Hatte in diesem Jahr mal eine Predigt zum Thema, wenn Du möchtest, kannst Du sie mal nachlesen unter
    http://www.bad-vilbel.feg.de/downloads/24.02.2008wasgottuebersexdenkthebraeer134.pdf

    Grüße!

  2. … so CT, ich wollte ja noch antworten. Deine Predigt habe ich zwar noch nicht gelesen, ich komme aber darauf gerne zurück.

    Ich finde es sehr schön, dass ihr das Thema in der Gemeinde aufgreift. Ein Manko in vielen Gemeinden und dennoch so zentral und wichtig.

    Eigentlich wollte ich zu dem Thema bloggen und auch ein Gebetsanliegen mitgeben. Denn die Gemeinde Arche in HH wird ab dem 11. Januar um 9.30 Uhr auf dem Programm „das Vierte“ 12 Sendungen zum Thema Freundschaft, Verlobung, Ehe und Familie bringen. Die Fernsehkanzel gewinnt zunehmend an Schlagkraft und die Resonanz zeigt, wie groß der Hunger nach einem grundlegend heilsamem Leben der Menschen ist.

    Nun … zum Bloggen komme ich nicht mehr.

    Ich wünsche dir eine gute und gesegnete Zeit mit deiner Familie und in deiner Gemeinde.
    Sabina

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