Schaufenster oder Tür?

Ein Artikel, der mir aus dem Herzen spricht und den ich heute per E-Mail erhalten habe:

Von Michael Schiffmann:

Schaufenster oder Tür, was siehst du in Lakeland?

Sicher haben viele von euch von den Heilungsveranstaltungen in Lakeland/ Florida gehört. Gott hat dort viele Menschen geheilt und errettet. Im Zentrum dieses Aufbruchs steht Todd Bentley und sein Freshfire-Team. Durch die Übertragungen von God TV haben Millionen von Menschen diese Gottesdienste in ca. 100 Nationen weltweit verfolgt. Vielleicht hast du auch dazugehört.

Diese Veranstaltungen haben sich durch die Person von Todd und seinem Stil wesentlich von anderen Evangelisationen unterschieden. Zum einen durch die Tatsache, dass er nur 32 Jahren alt und nicht nur Evangelist, sondern auch sehr prophetisch ist und seine sehr unreligiöse Art, die von vielen als sehr wohltuend wahrgenommen wurde. Starke Manifestationen der Gegenwart Gottes waren ein besonderes Kennzeichen dieses Aufbruchs in den Veranstaltungen und den Übertragungen weltweit. Nicht alle Kreise und Strömungen haben all dies positiv aufgenommen. Neben den bekannten Spannungen zwischen den evangelikalen und pfingstlich/charismatischen Gemeinden über Wirkungen des Heiligen Geistes gab es zahlreiche Irritationen im Leib Christi über verschiedene Stilfragen in der Art wie für Kranke gebetet wurde, Dienst von Engeln und ähnliches.

Wie ihr vielleicht auch gehört habt, ist Todd Bentley inzwischen von seinem Dienst bis auf weiteres zurückgetreten. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache begründet, dass er und seine Frau eine heftige Ehekrise haben. Verschiedene Leiter (Bill Johnson, Che Ahn, John Arnod, C. Peter Wagner und andere) sind inzwischen eingeschaltet, ihnen beizustehen und die Ursachen festzustellen und aufzuarbeiten. Die Beziehung ihrer Ehe war schon in früheren Jahren angefochten und die ihnen nahestehenden Leiter gingen davon aus, dass diese Probleme abgestellt sind. Durch die über Monate ununterbrochenen Erweckungsabende und die damit verbundenen Angriffe ist der Druck auf die Ehe nicht besser, sondern offensichtlich schlechter geworden. Es gibt inzwischen noch verschiedene andere Vorwürfe, die zum Teil frei erfunden sind und andere, die überprüft werden. Wir werden sicher entsprechende Veröffentlichungen in nächster Zeit lesen. Die gute Nachricht in dem Ganzen ist, dass Todds Beziehungsnetz funktioniert hat und er und seine Frau in Seelsorge sind und die Versammlungen in Lakeland von der Gemeinde weitergeführt werden, in der alles begonnen hat.

Was hat Lakeland für dich bedeutet?

Als ich über die aktuelle Situation nachdachte, fiel mir das Beispiel einer Schaufensterscheibe ein. Kinder stehen manchmal davor und betrachten begehrend die Dinge, die sie niemals haben werden und drücken sich die Nase an der Scheibe platt. Hast du so nach Lakeland geschaut? Wenn man das so macht, dann glaubt man, dass jemand wie Todd in einer unerreichbaren Kategorie von Christsein lebt. Damit hebt man ihn auf ein Podest als Halbgott und erwartet entsprechend übermenschliches Verhalten. Wenn er sich dann doch als normales menschliches Wesen entpuppt, fühlt man sich betrogen und reagiert eventuell sogar mit Ärger und Verurteilung. Nicht dass ich irgendwie Todds Verhalten gutheißen will und offensichtliche Sünde weg erkläre. Nein, aber ich würde es gerne wieder in realistische Proportionen rücken.
Man kann aber auch nach Lakeland schauen, um es als eine Tür für uns alle zu begreifen und hindurchzugehen. Die Schrift macht deutlich, dass Gott kein Ansehen der Person hat, was in diesem Fall bedeutet: was Gott durch irgendjemanden im Leib Christi tut, möchte er auch durch dich und mich tun.

Todd hat offensicht durch sein persönliches Suchen nach Gott und die Art seiner Berufung sehr stark Gottes übernatürliches Wirken in seinem Dienst erlebt. Diese Verheißung gilt uns im gleichen Maß. Mit ähnlichem Herz und Glauben werden wir auch ähnliches erleben. Diese Haltung des Suchens und Begehrens gefällt Gott und bewahrt uns davor Leiter zu Götzen zu machen, in der Hoffnung, dass einige Krümel von ihrem Tisch fallen und auch uns satt machen. Solches Verhalten impliziert, dass Gott nicht willig ist uns die Segnungen seines Geistes zu geben, sondern wir uns an andere hängen müssen, die diese Probleme nicht zu haben scheinen. Allerdings müssten wir dann auch bereit sein sie über Gebühr zu ehren. Diese Personen nehmen damit die Stelle eines Gottes oder zumindest den eines Vermittlers zwischen Gott und uns ein. Das widerspricht der Schrift, die deutlich sagt, dass es nur einen Mittler zwischen Gott und Menschen gibt und das ist Jesus Christus.

Eine weitere Frage, die in diesem Zusammenhang leicht fällt, ist: Wie kommt es, dass Gott jemanden so stark gebraucht, der offensichtlich Fehler hat und auch sündigt? Hier berühren wir ein Feld, das viele daran hindert von Gott gebraucht zu werden. Sie erwarten Gottes Salbung und Gnade, wenn (und weil) sie alles richtig machen und fehlerlos leben. Dadurch vermischen sie zwei Bereiche, die in dieser Weise nichts miteinander zu tun haben. Zunächst ist die Basis von Gottes Handeln mit uns seine Gnade (total unverdientes Geschenk). Indem wir ihm glauben, wird uns solche Gnade geschenkt. Dieses setzt keine andere Vorleistung voraus als nur die Willigkeit des himmlischen Vaters, uns und damit andere zu beschenken. Er sucht solche, die ihm das erlauben und nutzt sogar Esel, um seine Offenbarungen auszuteilen. Warum dann nicht auch uns? Darüber hinaus funktionieren alle Geschenke Gottes nur dauerhaft in seiner persönlichen Gegenwart. Durch Sünde fallen wir aus dieser engen Gemeinschaft heraus. Dadurch verlieren wir oft nach einiger Zeit die Manifestationen seiner Gnade und können spätestens dadurch erkennen, dass etwas nicht stimmt. So können wir umkehren, erleben Vergebung und werden in die Intimität restauriert. Es gibt also die Möglichkeit, dass sich die distanzierende Wirkung von Sünde mit einer deutlichen Verzögerung zeigt. Dies soll uns daran erinnern, dass die Basis nur die Gnade Gottes ist. Macht das nicht Hoffnung für uns alle?

Was ist meine persönliche Reaktion auf die ganze Angelegenheit?

Ich habe mit großem Gewinn viele der Übertragungen aus Lakeland geschaut und bin sehr ermutigt worden meinem Gott für mehr Heilung, mehr Befreiung und mehr Durchbruch zu vertrauen. Verschiedene Stilfragen haben mir nie ein Problem gemacht, da ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe oder verstehe wie Todd zu diesen Dingen kam. Es gab aber auch verschiedene Dinge im Vorgehen von Todd, die ich nicht geteilt habe und anders lösen möchte. Ich sah allerdings noch nie einen Grund darüber zu reden, denn das neue Testament macht deutlich, dass jeder „Knecht seinem Herrn steht und fällt“ und nicht der Beurteilung anderer. Unsere Verpflichtung ist es nicht, andere zu beurteilen. Jesus warnt uns ausdrücklich davor andere zu richten. Viel mehr sollen wir alles prüfen, was wir unserem Leben zuführen: Lehre, Vorbildmuster, Verhaltensweisen oder Offenbarungen und solche Dinge empfangen oder eben nicht. Damit endet aber auch unsere Verantwortung. Ich glaube, es gibt zu viele sogenannte ´Wächter´, die – angeblich um den Leib Christi zu schützen – warnen. Diese selbsternannten „Fruchtinspektoren“ gab es schon immer. Besonders im Mittelalter haben sie in sogenannten Inquisitionsgerichten über andere geurteilt. Aus dieser Zeit gibt es den Ausdruck „Ketzer“. Damit bezeichnete man jemanden, dessen Lehre man als falsch erachtet und ihn deshalb als Person verwirft. Hingegen lehrt das neue Testament, dass Erkenntnis aufbläht und Liebe aber die Menge der Sünden zudeckt.
Vor einigen Jahren gab es einen internationalen Leiter im Leib Christi, der in seiner Lehre schon recht extreme Positionen vertrat und diese nicht wirklich schlüssig biblisch begründen konnte, sondern nur auf die guten Früchte seines Dienstes verwies. Andere wiederum beurteilten gerade diese gänzlich anders. Obwohl ich selbst nicht alles für mich wirklich ungeteilt nachvollziehen konnte, habe ich sehr klar vom Herrn gehört ihm auf einer freundschaftlichen Ebene zu begegnen. Als erstes haben Andrea und ich ihn und seine Frau zum Essen eingeladen und einfach Stunden über den Herrn und ihren Weg im Reich Gottes geredet. In mir war kein Interesse etwas über seine Lehren zu fragen, sondern ihnen die Liebe Gottes entgegen zubringen. Als ich in diesem Gespräch in ihren Augen den Herrn Jesus sah, genügte mir das. Ich muss nicht alle Lehren und Dienstmerkmale teilen, sondern Menschen lieben, wie Gott sie liebt.

Die Struktur von Gemeinden und Denominationen steht heute oftmals im Gegensatz dazu. Sie bilden ihre Mitgliedschaft auf der Grundlage von Lehrverständnissen. Wir suchen uns eine Gemeinde, weil wir mit einer Form der Lehre und einem bestimmten Stil der Gottesdienstgestaltung übereinstimmen. Diese Gemeinde ist meist Teil einer Denomination (Gemeindebund) oder hat sich mit anderen Gemeinden gleicher Lehre verbunden. Wir Menschen haben einen starken Hang zu Homogenität (Gleiches bleibt bei Gleichem) und kaum ein Thema bringt so viele Ängste oder auch Aggressionen zum Vorschein, wie geistliche Fragen über unser Gottesverständnis. Wir vermeiden diese, indem wir einfach in dem geistlichen Horizont bleiben, den wir haben. Diese Systeme werden manchmal dann gegen andere Sichten von ihren Leitern auf der Grundlage von Lehre verteidigt. Die Schlüsselfrage ist nicht, gehörst du dem Herrn und liebst ihn, sondern glaubst du die Lehre so wie wir in unserer Gemeinde oder Denomination. Das wird die Grundlage für eine Verwerfung als Person und Irrlehrer.
Die Bibel hingegen lehrt, dass die Grundlage von Beziehungen „geistliches Erkennen“ ist und nicht eine Lehrmeinung. Wenn wir verstehen, wie Gott manche Menschen sieht, dann können wir uns auf seine Einschätzung verlassen und ihn als unseren Gott damit ehren. Andernfalls wird unsere Lehre, unser Verständnis oder sogar unsere Denomination zu unserer obersten Leitlinie oder zu unserem Gott.

Was können wir alle daraus lernen? Was wird jetzt passieren?

Es gibt eine Art von „Ent-Täuschung“, die sich als sehr heilsam erweisen kann: eine Täuschung wird aufgedeckt. In dieser Weise sollten wir auch mit Lakeland und der neusten Entwicklung umgehen. Nur wenn wir persönlich fest in Gott verankert sind, werden wir unerschütterlich sein. Zumal es die klare Verheißung gibt, dass in unserer Zeit alles „Erschütterliche“ erschüttert werden wird.
Solltest du bezüglich deiner Haltung gegenüber Todd etwas zu korrigieren oder umzustellen haben, dann lade den Heiligen Geist ein und bitte ihn, dir dabei zu helfen.

Normalerweise haben Menschen die Tendenz, das Kind mit dem Bad auszuschütten. Für mich ist aber völlig unstrittig, dass Gott in Lakeland etwas wirklich Wunderbares getan hat und wir sollten davon sehr ermutigt sein und ihn dafür ehren. Gleichzeitig sollten wir für Todd und seine Familie beten, dass schnell eine Versöhnung eintritt und die Ursachen der Krise abgestellt werden.

Betet bitte auch für den Leib Christi weltweit, dass wir für Gottes Wunder ermutigt bleiben und Seine Absichten mit dem Lakeland Aufbruch weitergehen

Touch the Nations

Email: office@touchthenations.org

Website: www.touchthenations.org

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4 Gedanken zu “Schaufenster oder Tür?

  1. Hallo Robert,
    schön, dass du mal wieder hier bist. in der Tat ein guter Beitrag. Dies hier ist doch nun wirklich eine zentrale Angelegenheit:

    „Die Bibel hingegen lehrt, dass die Grundlage von Beziehungen „geistliches Erkennen“ ist und nicht eine Lehrmeinung. Wenn wir verstehen, wie Gott manche Menschen sieht, dann können wir uns auf seine Einschätzung verlassen und ihn als unseren Gott damit ehren. Andernfalls wird unsere Lehre, unser Verständnis oder sogar unsere Denomination zu unserer obersten Leitlinie oder zu unserem Gott.“

    Jeder ist da ganz persönlich gefragt. Hast du auch bei Ralf die Beiträge gesehen? Auch zu empfehlen.

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