Gott, Politik, Weltgeschehnisse und du mittendrin – Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker

Um es vorweg zu nehmen, ich halte mich für parteilos. Als Christ müsste ich die CDU wählen, so versucht man es mir vielleicht beizubringen. Ob ich die CDU für christlich halte, vermag ich recht wenig zu sagen. Oft ist ein Name kein Indiz, jemanden christlich zu finden. Das steht mir aber nicht zu, dies zu entscheiden. Gott schaut in das Herz, wir beurteilen oft nur nach dem Äußeren. Ich weiß nicht, wie Gott den Einzelnen sieht, ob Gott traurig über etwas ist oder er sich freut, ob Gott dir jetzt schon Glauben schenkt oder du erst später eine Gottesbegegnung hast.

In der Politik allerdings – und das kann ich mit meiner eigenen Meinung beurteilen – finde ich heut zu Tage wenig Politiker mit einem standhaftem Profil, einer spezifischen Ausstrahlung, einer klugen Weisheit gepaart mit Ausgeglichenheit, einem gutem Charakter mit Esprit.

Jeder mag seine Leichen im Keller haben, auch die Altherrengarde von damals. Dennoch: es gab sie – die Politiker mit Profil.

direkt zu Menschen bei Meischberger

Ich sah neulich ein langes Interview bei „Menschen bei Maischberger“ mit Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker. Eine Wiederholung vom 12. Juni 2007.

Es ist bezeichnend genug, dass diese Männer auch 25 Jahre nach ihrer Amtszeit für weise Männer gehalten werden. Auch von mir.

Sie gehen gut miteinander um und sagen über ihre Freundschaft: Beziehungen entwickeln sich durch Respekt und Interesse, es drängt danach zu hören, was der andere sagt.

Der SPD-Mann besteht nicht darauf, zu sagen, nur SPD-Menschen sind die Richtigen. Es wird konstruktiv von Helmut Schmidt mitgeteilt, er vermisse Gerhard nicht, weil Gerhard sich selber nicht vermisst und eine manshafte Entscheidung getroffen hat und Angela hätte bis heute gute Arbeit geleistet. Klar, es ist ziemlich viel Rhetorik im Spiel. Ich bleibe trotzdem dabei: Profil haben die beiden Männer. Dies ist keine Positionierung, wen oder was ich besser finde. Mir fällt nur auf, sie stehen zu ihrer Meinung. Beobachte ich unseren eigenen Kreistag bei Abstimmungen: es wird immer kollektiv abgestimmt, ob derjenige nun eine Meinung hat oder nicht. Die Gegenpartei hat was gesagt? Buh … gleichmal dagegen stimmen und zwar kollektiv. Mehrere Hände nach oben drückt Stärke aus, wirklich? Zuhören ist eh schon nicht auf der Tagesordnung, da wird eher Zeitung gelesen – und zwar demonstrativ laut raschelnd und … ach ja … die Länge einer Zeitung passt nicht auf den Tisch, also ab in die Höhe. Schon alleine so ungehörige Aktionen haben für mich nichts mehr mit Politik zu tun und ich blieb als Zuhörerin dem eigenen Kreistag fern.

Menschen bei Maischberger

Besonders lauscht sabina online, wenn Menschen in der Öffentlichkeit über ihre Beziehung zu Gott reden.

Helmut Schmidt wurde aus einem älteren Interview zitiert, er habe 1941 gelernt sich innerlich auf Gott zu verlassen. Mittlerweile würde er von sich sagen, er glaube nicht mehr. Es muss was passiert sein, so die Feststellung von Frau Maischberger.

Helmut Schmidt:

Ich habe das so nicht gesagt und auch nicht gemeint. Aber ich würde mich heute nicht mehr auf Gott verlassen.

Frau Maischberger:

Weil er nicht da ist oder warum?

Helmut Schmidt:

Nein, aber Gott hat all’ zu viele Dinge zugelassen. Er hat Auschwitz zugelassen, er hat den Mord an 6 Mio. Juden zugelassen. Er hat die beiden Weltkriege zugelassen. Ich kann mir unter solchen Worten wie Gottes Gerechtigkeit eigentlich nichts richtiges vorstellen, muss ich bekennen

Frau Maischberger:

Da sind sie (Richard von Weizsäcker) anderer Meinung, nicht wahr?

Richard von Weizsäcker:

Ich finde das, was Helmut Schmidt in einer Ethikrede, über das Verhalten der Religion und vor allem über das Verhalten der christlichen Religion gesagt hat, in seinem Kern richtig und notwendig es zu sagen, d. h. allzu oft ist die Religion für Zwecke der Macht eingesetzt und missbraucht worden. So wie ich den Text im Gedächtnis habe, hat Helmut Schmidt abgeleitet, das er eben doch auch enttäuscht ist davon, was z. B. die christliche Religion mit ihrem Gott und mit ihrem Paulusbrief in der Bibel alles nicht zu Stande gebracht hat.

Frau Maischberger:

Aber jetzt hat er doch gerade gesagt, dass war Gott, der es zugelassen hat – Auschwitz. Das würde mich interessieren, wie sie das als Christ sehen

Richard von Weizsäcker.

Es gibt keine Kategorie der Beurteilung von Gott in Bezug auf Ereignisse, die auf der Welt passieren, so definiert man nicht Gott, d.h. man definiert Gott eben überhaupt nicht – das kann man doch gar nicht. Das es aber Menschen gibt, die sich in ihrem Leben – in ihrem völlig friedlichem Leben, in der Möglichkeit sich mitmenschlich zu betätigen, gutes zu tun und wohl zu tun – auf Gott berufen, dass wird doch auch Helmut Schmidt diesen Menschen nicht streitig machen. Auch dann, wenn man über Ereignisse in dieser Welt spricht, bei denen man nicht versteht, nach H. Sch. Sprache „dass das Gott hat zulassen können“. Und ich finde nur, das muss immer dazu gesagt werden.

Schließlich, wenn man das nicht in Bezug auf den einzelnen Menschen anwendet, sondern hinsichtlich der Verhältnisse bei und in der Gesellschaft, geschieht verschiedenes. Es geschieht auch über das rein menschliche Bedürfnis hinaus, bis in unsere konkrete Struktur. Bis hin in die Außenpolitik hinein….. Das beantwortet aber ihre Frage nicht, nach der Beziehung zu Gott.

sabina online: Herr Weizsäcker war aufmerksam genug, wirklich selber zu erkennen, dass er hier rhetorisch die Frage von Frau Maischberger umschifft und auch Helmut Schmidt damit nicht richtig weiterhelfen kann. Auch beantwortet er leider in weiterem Verlauf des Interviews nicht die Frage, wie seine persönliche Beziehung zu Gott aussieht.

Es ist aber doch richtig: wir können uns nicht anmaßen, Gott zu spielen und Situationen für Richtig oder falsch halten. Ich persönlich beschäftigt mich auch mit der brennenden Frage, warum ließ Gott Auschwitz zu oder warum der Sunami viel zerstörte und sogar Menschen aus meiner Nachbarschaft mit sich nahm. Ebenso in meinem persönlichem Leben habe ich Fragen, wo war Gott als dieses oder jenes passierte.

Unabhängig von den Weltgeschehnissen muss ich eine ganz persönliche Entscheidung treffen, wie meine Beziehung zu dem Dreieinigen Gott aussieht.

Achte ich aufmerksam auf die Worte von Helmut Schmidt, dann erkenne ich am Anfang seiner Rede, dass er nicht an der Existenz Gottes zweifelt, aber er kann die Bedeutung „Gottes Gerechtigkeit“ nicht verstehen. Das kann ich nachvollziehen, es fällt mir auch sehr schwer!

Würde ich jedoch so wie Helmut Schmidt denken „ich verlasse mich nicht mehr auf Gott“, worauf kann ich mich dann verlassen? Viele Menschen sagen „ich verlasse mich nur noch auf mich“. Kann ich das überhaupt leisten? Will ich das? Hätte ich Ausschwitz oder den Sunami verhindern können? Hätte ich dieses oder jenes in meinem Leben rechtzeitig abwenden können?

Oder habe ich nicht eine echte Perspektive, dass ich zwar nicht alles verstehe, ich aber erfahren darf, dass Gott mich trägt? So wie es das Gedicht „Spuren im Sand“ (hier als Flash Flyer) von Margaret Fishback Powers ausdrückt?

Ich wünsche dir persönlich von Herzen eine Erfahrung mit Gott, auch wenn du keine Antworten auf die Geschehnisse um dich herum hast.

Übrigens Margaret Fishback Powers ist behütet und fröhlich aufgewachsen. Als sie das Gedicht „Spuren im Sand“ verfasste, war sie Anfang zwanzig und in den Monaten zuvor durch einen Blitzschlag schwer verletzt worden.

Zum Thema passend:

Die Nussknackerfrage

Perspektive Teil 1

Perspektiv Teil 2

Loslassen

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2 Gedanken zu “Gott, Politik, Weltgeschehnisse und du mittendrin – Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker

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