Unspektakulär

Freitag, 15 Mai 2009

Spektakuläre Berufungen:

Moses: Gott spricht durch einen brennenden Dornenbusch.

Gideon: begegnet einem Engel, der zu ihm spricht

Jesaja: hat spektakuläre Visionen

Paulus: hört die Stimme Jesu und wird von einem Licht umgeben.

Die Jünger: lassen sich von jetzt auf gleich berufen und legen ihre Arbeit nieder.

Muss es immer spektakulär sein, wenn Gott beruft?

Und wenn der Busch neben mir nicht brennt, erfahre ich eben keine Berufung? Die Berufung des Silas zeigt etwas anderes und wird in der Bibel unspektakulär erwähnt: Silas wird von jemand anderen ausgewählt.

Die äußeren Bedingungen scheinen nicht unerheblich zu sein, als Silas von Paulus als Reisebegleiter auserwählt wurde. Markus, der eigentlich diesen Job haben sollte, schien dafür ungeeignet.

Menschliche, strategische Entscheidungen und Erfahrungen erscheinen unspektakulär für eine Berufung, dahinter steckt aber nicht weniger Gottes Führung:

  • offen sein dafür, von Gott gebraucht zu werden
  • sich in der einen oder anderen Art und Weise bewähren
  • den Fakten, der Vernunft,  der Logik folgen
  • innere Überzeugung kann durch äußere Umstände geweckt und gestärkt werden

Gottes Führung ist oftmals also eher stiller Natur. Unscheinbar, schrittweise und leise. Die meisten Menschen müssen ihre Berufung ohne ein spektakuläres Ereignis im Hören auf Gott finden. Nicht immer ist alles unmittelbar klar und für das ganze Leben festgelegt.

Mit Gottes Hilfe darf ich suchen, tasten, ausprobieren und mich bestätigen lassen. Die Art und Weise, wie Gott beruft, ist unerschöpflich. Gott kann mich beim Lesen der Bibel ansprechen, durch bestimmte Informationen, durch innere Eindrücke, andere Menschen, äußere Umstände, eine Predigt, schwere Situationen, Leid usw. usf.

Bei alledem beruft Gott zielgerichtet und aufgabenorientiert, nimmt dabei aber auch unsere Bedenken ernst und ich darf sagen, vor was ich Angst habe. Gott lässt mich nicht hängen.

Und manchmal erweist sich die angenommene Berufung sogar erst im Rückblick als richtig und wir merken, dass Gott uns geführt hat, in dem er uns die notwendige Ausrüstung und Hilfe mitgegeben hat.

Natürlich kann Gott auch heute spektakulär berufen. Doch wie diese Berufungsgeschichten in der Bibel schon die Ausnahme bilden, so werden sie auch heute eher eine Ausnahme sein.

Da ich ein pragmatischer Typ bin, brauche ich wohl nicht auf den brennenden Dornenbusch warten, denn auch in meinem Leben ist es mir immer ähnlich dem Silas ergangen. Entscheidend scheint mir:

offen sein dafür, von Gott gebraucht zu werden

Was ist deine Erfahrung?

15 Antworten zu „Unspektakulär“

  1. Helmut Sagt:

    Wenn wir jetzt in einer Amerikanischen Pfingstgemeinde währen, würde ich dich mit großen Augen anstrahlen Und würde rufen:

    Aaameen Aaameen (Darf beliebig oft wiederholt werden) ;-) :-) :-)

  2. Sabina Sagt:

    Upps … was ist passiert? Das ist hier doch ein sachlicher uncharismatischer Bericht, dass würde eigentlich im Prinzip auch jeder Coach unterschreiben. Bist du auf dem richtigen Blog? ;-)

  3. Helmut Sagt:

    Wieso uncharismatisch?
    Ich freu mich auch über Eier, die nicht in meinem Nest gelegt werden.
    Sollten wir Charismatiker uns nur über unsachliche Berichte freuen? :-)

    Was Du geschrieben hast ist die Wahrheit und die Wahrheit macht frei.
    Wenn Menschen dann dadurch, daß sie der sachlichen Wahrheit glauben, und der sachlichen Wahrheit gehorchen, in die Gegenwart Gottes kommen , dann kann es passieren, daß eine ganz unsachliche Freude in Ihr Herz kommt :-)

  4. Sabina Sagt:

    … und der Schlüssel liegt beim „Gehorsam“ … ach nee, dass heißt ja jetzt „Vertrauen“.

  5. Helmut Sagt:

    Ach, wir vertrauen doch so wie so immer irgend jemand

    Entweder wir vertrauen unserem Verstand, oder wir vertrauen dem Herrn.

    [Spr 3,5] Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand;

    Mein Verstand hat mich schon oft in die Irre geführt, dem mag ich nicht mehr vertrauen. :-(

  6. marco Sagt:

    Guter, wahrer und VERTRAUENSVOLLER Post.

  7. curioustraveller Sagt:

    Amen dazu! Wie sagte Adrian Plass so schön: „Konzentrier dich darauf, dass du von Gott geliebt bist und überlass ihm die Angelegenheit, perfekt zu sein“.
    Gottes Nähe suchen, für sein Handeln offen zu sein – da ergibt sich vieles von selbst. Ist halt manchmal nicht so einfach, weil ich im Hinterkopf doch meine eigene Lebensplanung habe, die auch erst mal in Gottes Hände gelegt werden will…

  8. Apassionata Sagt:

    Ich glaube, daß Gott manchmal auch ganz leise durch unsere Gedanken zu uns sprechen kann. Neulich war ich fix und fertig und dachte, ob Gott mich mal ignoriert. Habe zu IHM gebetet, als ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr. Da sah ich wie eine Katze am Baum ihre Krallen wetzte. Ich habe gedacht, daß Gott wie ein Baum ist, der meine Probleme sieht, weil er tief verwurzelt in sich selbst auch meine Sorgen aushalten und tragen kann. Obwohl die Nachtwachen sehr anstrengend und ich sehr müde war, fiel mir die Kraft zu, die ich brauchte. Außerdem hat mir in der letzten Nacht der Springer einfach geholfen. Ich dachte, der HERR hat mir diesen Engel in Gestalt eines Menschen geschickt. Dann auch die Sache mit dem Bentotreffen, daß das klappt, das ist eben der Herr. Muß man auch so sehen!!!

  9. Apassionata Sagt:

    Momentan mache ich mir gar keine Gedanken, denn mir sind die Aufgaben vor die Füße gelegt. Aber als ich heute mit meinem Hund spazieren ging, kam mir der Gedanke, daß ich, wenn ich mal in Rente bin, ab und zu ins Krankenhaus gehen könnte und Patienten das Essen reichen würde. Das entlastet die Krankenschwestern und mich macht es froh, Zeit für die Kranken zu haben.(ehrenamtlich im Zoo arbeiten auch toll) Vielleicht gibt ja Gott solche Ideen ins Herz.

  10. Sabina Sagt:

    :-) … toll Apassionata … du warst auf der Suche zu entdecken, wie Gott zu dir redet, bzw. du es erkennen magst. Du bist mitten drin sein Flüs zu verstehen und zu hören. Segen dir!

    Später im Krankenhaus aushelfen … wäre auch deine wahre Berufung ohne Papierkram :-)

  11. marco Sagt:

    @Apassionata+Sabina: JAAA! Sein Flüs! Sehr, sehr oft ist Seine Stimme ein Windhauch in unseren Gedanken. Aber wenn wir genau zuhören, dann hören wir als Seine Schäfchen Seine Stimme. Und je öfter wir zuhören, desto klarer wird sie und desto leichter können wir sie von dem „weltlichen Hintergrundrauschen“ unterscheiden!
    Hallelujah. :-D

    Und was für eine schöne Perspektive: Arbeit, die Spaß macht ohne lästige „Nebenarbeiten“!

    Seid gesegnet!

  12. donralfo Sagt:

    So richtig spektakulär auf den Putz hauen muss Gott ja vielleicht nur mit den „schwierigen Fällen“ wie Paulus, Jona und co.
    Die brauchen halt viel Brimborium mit Feuer vom Himmel und so. Bei den Sensiblen und Folgsamen reicht schon ein zarter Hinweis von Gott und sie marschieren gleich in die richtige Richtung! ;-)

  13. Sabina Sagt:

    oha Ralle … dann gehöre ich zu den schwierigen Fällen ;-) Sensibles Gespür habe ich, Folgsam? naja … Dann brauche ich ja doch den „Aufdenputzhauer“ :-)

    @ Rolf: Danke für das Zitat von dem guten Adrian – absolut genial … wird mein nächstes Appetithäppchen!

  14. Eule Sagt:

    Hallo Sabina – „Folgsam“ resp. „Gehorsam“: Landläufig sind mit diesen Begriffen in der Tat negative Assoziationen verbunden, Assoziationen, die ihre prägnanteste Verkörperung möglicherweise in Fräulein Rottenmeier finden, gefunden haben. Es mag helfen, diesen Vorstellungen in einer feinen – aber m. E. nicht unbedeutsamen – Abwandlung der Schreibweise des Begriffs des Gehorsams entgegenzuwirken: Geh-ö-rsam. Der Mensch in seiner Gottebenbildlichkeit ist potentiell – Gehör, das Gott durch Seine Selbsterschließung öffnet, durch die Er mithin Gehörsam als geistgewirktes Ein-Verständnis mit Seinem uns zugesprochenen Willen schafft. In diesem Gehörsam entdecken wir allererst das in uns, was sich durch Gnade entfaltet wie die Blume blüht ;-) .

  15. Bento Sagt:

    wow – hier geht´s ja ab – bin voll berührt!

    Segen@all


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